17 Studien‑Interviews mit KMU: ein deutliches Muster
17 Studien‑Interviews mit KMU: ein deutliches Muster
„NIS 2 gilt – aber viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wissen nicht, ob sie betroffen sind.“
Diese knappe Erkenntnis brachte unser Kollege Younes Ahmadzei auf den Punkt, als er auf der BSides Munich die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit vorstellte. In 17 Interviews mit Geschäftsführungen, IT-Leitungen und CISOs von Nicht-KRITIS-KMU zeichnete sich ein klares Bild ab:
NIS-2 ist angekommen, aber die Umsetzung stockt.
Viele mittelständische Unternehmen fallen objektiv in den Anwendungsbereich der NIS-2-Richtlinie – doch nur wenige wissen es. Die Interviews zeigen drei zentrale Ursachen:
„Ehrlich gesagt verstehe ich nichts davon. Es ist alles so ein Durcheinander von Begriffen“.
Aus den Interviews lassen sich vier strukturelle Herausforderungen ableiten, die den Mittelstand besonders betreffen:
„Mindestens eine Person zwei bis drei Tage die Woche nur für dieses Thema.“
Diese Hürden erklären, warum NIS-2 zwar wahrgenommen wird, aber kaum aktiv bearbeitet wird.
Wie groß die Unsicherheit und die Zurückhaltung im Mittelstand tatsächlich sind, zeigte sich eindrücklich bei der Datenerhebung für die Studie. Aus einer Liste von ursprünglich 3.000 Unternehmen wurden 1.800 identifiziert, die potenziell unter NIS-2 fallen. Trotz der Versendung von rund 3.600 E-Mails an Unternehmen konnten am Ende nur 17 Interviews geführt werden.
Viele Organisationen lehnten ab, die Gründe:
• Zeitmangel
• Desinteresse
• Unklarheit über die eigene Betroffenheit
Allein diese Quote zeigt: Der Mittelstand weiß, dass NIS-2 existiert – aber fühlt sich nicht in der Lage, sich damit auseinanderzusetzen.
Quelle: BSidesMunich
Viele denken bei NIS-2 zunächst an ein reines „Compliance-Thema“. Die Interviews zeigen jedoch, dass die Probleme tiefer liegen:
Das eigentliche Risiko liegt daher nicht nur in möglichen Sanktionen, sondern im strukturellen Aufschieben sicherheitsrelevanter Maßnahmen. Viele der von NIS-2 geforderten Punkte wie etwa:
sind keine formalen Anforderungen, sondern elementare Bausteine moderner IT-Sicherheit. Wer hier abwartet, verschiebt nicht nur Compliance, sondern auch Cyber-Resilienz.
Für viele KMU ist NIS-2 kein isoliertes Regulierungsthema. Es wird zum Marktfaktor:
Wer sich heute nicht mit NIS-2 auseinandersetzt, riskiert nicht nur regulatorische Unsicherheit, sondern langfristig auch Wettbewerbsnachteile.
Aus den Interviews wurde deutlich, dass es oft eine Diskrepanz zwischen technischer Sicherheit und formaler Compliance gibt:
„Im operativen Bereich sind wir gut vorbereitet. Im organisatorischen und dokumentarischen Bereich [...] sind wir noch nicht so weit.“
„Der Schritt von TISAX® zu NIS-2 ist sehr klein – die Strukturen sind schon da.“
Diese Beispiele zeigen: Wer NIS-2 nicht als isolierte Vorschrift, sondern als Teil einer umfassenderen Sicherheitsstrategie (z.B. angelehnt an ISO 27001 oder TISAX®) begreift, kann Synergien nutzen – und vermeidet dabei doppelte Aufwände.
Die Interviews zeigen klar: KMU brauchen Struktur, Orientierung und Übersetzung.
Im Rahmen der Bachelorarbeit wurde daher ein Excel-basiertes Self-Assessment-Tool entwickelt.
Dieses Tool hilft Unternehmen dabei:
KMU, die ihre Betroffenheit schnell einschätzen möchten finden hier das kostenlose NIS-2-Self‑Assessment-Tool.
NIS-2 ist mehr als eine bürokratische Hürde oder ein isoliertes Gesetz. Die Richtlinie schafft einen Strukturierungsrahmen für Cyber‑Resilienz im Mittelstand – und bietet einen Anlass, die eigene Sicherheitsorganisation kritisch zu hinterfragen. Unternehmen, die frühzeitig prüfen, in welchem Umfang sie betroffen sind, und etablierte Standards als Leitplanken nutzen, verschaffen sich einen klaren Vorteil: rechtlich, organisatorisch und sicherheitstechnisch.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob NIS-2 Aufwand verursacht – sondern ob sich ein weiterer Aufschub langfristig leisten lässt.
Wer frühzeitig Klarheit über die eigene Betroffenheit schafft und bestehende Standards intelligent nutzt, reduziert nicht nur regulatorische Risiken, sondern professionalisiert die eigene Sicherheitsorganisation nachhaltig.
Trainee Information Security Consultant
Sowohl im Rahmen seines Studiums und seiner Bachelorarbeit als auch während seiner Zeit bei HvS hat er sich intensiv mit der NIS-2-Richtlinie auseinandergesetzt und fundiertes Fachwissen aufgebaut. Ein zentrales Ergebnis seiner Arbeit war die Entwicklung eines Self-Assessment-Tools zur Ermittlung des NIS-2-Reifegrades von Organisationen. Sein Anspruch ist es, komplexe regulatorische Anforderungen verständlich und praxisnah zu vermitteln.